Lophophora aus Samen ziehen – Vorbereitung

a) Samen kaufen: Lophophora-Samen gibt es bei vielen spezialisierten Kakteengärtnereien und sind für wenige Euro zu haben. Wer Samen bei einer der alteingesessenen Kakteengärtnereien oder im Kakteenshop bezieht, braucht sich um die Qualität der Samen keine Sorgen zu machen und liegt immer richtig. Leider gibt es hier wie überall einige schwarze Schafe, welche Samen zu Dumpingpreisen und mit übertriebenen Versprechen zur Keimquote o. ä. vertreiben…oftmals ist die Qualität dann auch entsprechend.
Meine Empfehlung: Kaufen Sie Lophophora-Samen direkt bei einem Kakteengärtner oder einem seriösen Pflanzen-/Samenversand. Wenn sie bzgl. des Händlers unsicher sind, überlegen Sie kurz ob ein augenscheinlicher Preisvorteil von vielleicht 1 bis 2 €uro das Risiko einer frustrierenden Aussaat und folgender Neuanschaffung wert ist.

b) Samen selbst ernten, Fruchtfleisch entfernen und beizen: Am interessantesten ist natürlich die Nachzucht aus dem eigenen Pflanzenbestand. Natürlich muss man den Peyote zum blühen bringen, um Samen zu ernten.

Wie bringe ich Kakteen zum blühen? Siehe: Kapitel Der Winter oder das Geheimnis der Blüte

Wenn sich die Blüten der Pflanzen öffnen, nehme ich einen feinen Pinsel oder Wattestäbchen und bestäube sie, indem ich mehrfach zart über die gelben Pollen und die Stempel der Blüten streiche. Durch das übertragen der Pollen auf den Stempel werden die Kakteen befruchtet und bilden Samen.
Lophophora williamsii kann sich in der Regel selbst bestäuben (selbstfertil, Fertilität=Fruchtbarkeit), sollte aber, der stabileren Genetik zuliebe, besser von einer anderen Pflanze seiner Art bestäubt werden.

Anm.: Die Selbstfertilität besteht nicht bei Lophophora der Diffusa-Gruppe, wie diffusa, fricii, koehresii…diese Sorten benötigen immer die Fremdbestäubung einer anderen Pflanze gleicher Art!

Wichtig – den Pollen am Pinsel/Wattestäbchen sieht man kaum, also keine Gewaltaktionen. Nach mehrmaligem, leichten bestreichen der Pollensäcke und des Stempels (Narbe/Griffel) ist die Bestäubung schon geschehen und sowohl Pinsel als auch Blütenstempel mit Pollen gesättigt.

Die Blüten öffnen sich vormittags und schließen sich nachmittags wieder. Dies wiederholt sich an 2 bis 3 Tagen in Folge. Eine mehrmalige Bestäubung  derselben Blüte ist also möglich und empfehlenswert. Nach einigen Tagen (es kann auch mal Wochen dauern oder bei einer späten Bestäubung Ende Sommer erst im folgenden Jahr sein) bildet sich eine rosa bis rote Frucht unter der vertrockneten Blüte und schiebt diese nach oben.

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Blütenbestäubung von Lophophora williamsii mit einem Wattestäbchen

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Lophophora williamsii Bestäubung mit einem Pinsel

Lophophora williamsii nach der Bestäubung

Nach der Bestäubung von Lophophora – die Staubbeutel (Stamina) neigen sich der Narbe/Griffel in der Mitte der Blüte zu

Tipps:

  • Die Wattestäbchen/Pinsel nach der Bestäubung in beschrifteten, nach Sorte getrennten Gläsern für die nächste Bestäubung aufbewahren. Die Sortenreinheit ist damit gewährleistet und der Genpool, durch den Austausch der Pollen gleicher Sorten, frisch gehalten.
  • Durch sortenübergreifende Befruchtung (Kreuzung), z.B. Lophophora williamsii fricii und caespitosa, erhält man Hybriden. Dies ist meist nicht gewollt, aber für Experimentierer und Entdecker ist das Kreuzen von Kakteen sehr interessant und reizvoll.

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Stempel (Mitte der Blüte) und Pollensäckchen. Lophophora williamsii mit Früchten, darin liegen die Samen.

Lophophora williamsii mit zwei erntereifen Früchten

Wenn die Frucht leicht anzutrocknen beginnt, zupfe ich diese mit einer rührenden Bewegung vorsichtig ab und schäle die Samen heraus. Wichtig – die Samen müssen jetzt oder später vollständig vom Fruchtfleisch gereinigt werden. Reste können später in der Aussaatschale Schimmel verursachen und die Jungpflänzchen töten.

Info: Früher verwendete man zur Behandlung der Samen zusätzlich verschiedene Beizen, z.B. Kaliumpermanganat, Chinosol oder industriell hergestellte Nassbeizen, um anhaftende Pilzsporen an den Samen zu töten. Heute sind die meisten dieser Helfer als Pflanzenschutzmittel nicht mehr zugelassen.

c) Alternative zu Chinosol bei der Aussaat: Chinosol hat keine Zulassung für den Pflanzenschutz und darf deshalb nicht mehr als Gieß-, Beiz- oder Pflanzenschutzmittel verkauft und verwendet werden. Früher benutzte man 1g Chinosolpulver auf einen Liter Gießwasser um den Pilzbefall einer Aussaat zu verhindern.
Ein zugelassenes Produkt mit guter Wirkung ist Schachtelhalmextrakt. Nächtliches Lüften und tägliches Nachsehen sollte trotzdem nicht vernachlässigt werden. Schachtelhalmextrakt gibt es in jedem gut sortierten Gartenmarkt und in unserem Kakteenshop.

Tipp: Schachtelhalm ist ein seit langem von Gärtnern eingesetztes Mittel gegen Pilzbefall bei Aussaaten (nicht nur bei Kakteen wie Lophophora williamsii). Das Geheimnis der Wirksamkeit des Schachtelhalmes liegt in dem hohen Gehalt an pilzhemmender Kieselsäure. Neben der direkt wirksamen Kieselsäure haben Schachtelhalmextrakte die Eigenschaft das Pflanzengewebe zu kräftigen, was zusätzlich einen natürlichen Schutz gegen Pilzbefall bewirkt. Schachtelhalmextrakt findet unverdünnt auch als Saatbeize Anwendung.

Geöffnete Frucht des Lophophora-williamsii mit Samen, Chinosol und Kaliumpermanganat

Reinigen der Samen: Mit einer Pinzette oder per Hand die Samen aus dem Fruchtfleisch auslösen, dann einfach die Samen zwischen den trockenen Handflächen (alternativ in einem Tuch oder Sieb) gut verreiben. So wird auch der letzte Rest des Fruchtfleisches entfernt.

Vor allem bei großen Samenmengen verwende ich nach dem Trennen vom Fruchtfleisch ein möglichst fusselfreies Küchenhandtuch, forme daraus ein Säckchen und reibe die Samen darin mehrmals gut durch, um anhaftende Fruchtfleisch restlos zu entfernen. Die Fruchtfleischreste und sonstige Verschmutzungen bleiben im Tuch hängen und das Reinigen geht sehr schnell.

Bei sehr großen Samenkörnern (z.B. Samen von Opuntia ficus indica) hat sich ein Waschlappen bestens bewährt. Die Struktur ist gröber als bei einem Küchentuch, was die Arbeit bei großen Samen erleichtert. Die Früchte werden erst durch ein feines Sieb gestrichen, die Samen bleiben darin liegen Anschließend werden die Samen aus dem Sieb in einen Waschlappen gefüllt und nach dem Verschließen anständig „durchgerubbelt“.

d) Lagerung von Lophophora-Samen: Die Peyote-Samen können nach gründlicher Reinigung nun bis zum nächsten Frühjahr trocken und dunkel gelagert werden. Eine längere Lagerung, auch über mehrere Jahre, ist unter guten Bedingungen problemlos möglich. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass die Wartezeit bis zum kommenden Frühjahr förderlich ist, sehr alte Samen (5 Jahre und mehr) aber nur noch zögerlich keimen. Man sollte also bei der Bestellung auf Frische achten, da Lophophora williamsii Samen von Natur aus schon eine recht dürftige Keimquote haben. Scheuen sie sich nicht beim Händler nachzufragen, wenn Zweifel am Alter der angebotenen Peyote-Samen bestehen.

Extra-Tipp zur Behandlung von Lophophora williamsii-Samen durch Stratifikation:

Eine kurze Zwischenlagerung über ca. 2 Wochen im Gefrierfach erhöht die Keimfähigkeit. Nach angemessener Trockenzeit -nicht direkt nach der Ernte- „gewöhne“ ich die Samen über zwei Wochen im Kühlschrank an die kommende Eiszeit und „entwöhne“ ebenso. Es macht einen gewaltigen Unterschied – auf jeden Fall ausprobieren!
Diese Methode nennt man Stratifikation oder schlicht Kältebehandlung.

e) Aussaaterde sterilisieren, Aussaaterde von unerwünschten Samen, Unkräutern und tierischen Schädlingen befreien:

– mit trockener Hitze, Backofen:
Aussaaterde wird zur Sicherheit  bei einer Temperatur von 180°C 45 Minuten lang (im Backofen) erhitzt. Damit ist zwar keine echte Sterilität gewährleistet, aber ein Großteil der Keime und Pilzsporen sind auf jeden Fall abgetötet. Man erhält ein keimarmes Aussaatsubstrat, was absolut ausreichend ist. Durch das erhitzen werden auch unerwünschte Samen, Wurzelstücke und Unkräuter, sowie tierische Schädlinge in der Aussaaterde zuverlässig eliminiert. Nach dem Abkühlen kann das Substrat sofort verwendet werden.

mit feuchter Hitze, Erddämpfer (auch fälschlich Erdsterilisator genannt – keine „echte“ Sterilisation):
Ein Erddämpfer ist wie ein großer Dampfdruck-Kochtopf mit einem Zwischenboden-Einsatz aufgebaut (wie man es vom Kartoffelkochen kennt). Der  Deckel ist aber nicht fest verschließbar, sondern nur aufgelegt. Wenn die Temperatur im Inneren des Erddämpfers  80°C-90°C erreicht hat,  wird er abgeschaltet. Das Substrat ist dann ausreichend bedampft.
Anschließend erfolgt die Abkühlung des Substrates bei geschlossenem Deckel ebenfalls über 1-1,5 Stunden. Die Temperatur ist, da mit Feuchtigkeit gearbeitet wird, absolut ausreichend um ungewünschte Wurzelreste, Samen, Schädlinge usw. zu eliminieren.
Schöner Nebeneffekt: durch das Dämpfen werden die Nährstoffe im Substrat optimal aufgeschlossen und ist für die Sämlinge besser zu verwerten. Wer einen Erddämpfer besitzt, sollte ihn auf jeden Fall für Aussaatsubstrate nutzen.

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Erddämpfer oder Erdsterilisator zur Herstellung von Aussaaterde

– mit feuchter Hitze, Dampfdruck-Kochtopf (echte Sterilisation):
(diese Methode ist der Vollständigkeit halber aufgeführt, in der Praxis jedoch nicht notwendig)

Dabei wird die Aussaaterde vor der Verwendung in einem Dampfdruckkochtopf (DDK) keimfrei gemacht.
Dies geschieht bei ca. 130 °C feuchter Hitze, über 1,5 Stunden.

Kurzanleitung zur Sterilisation von Aussaaterde: Gestell zum Kartoffelkochen in den DDK einsetzen, den Boden des Topfes mit Wasser füllen (halb so hoch wie das Gestell), Kartoffeleinsatz mit Küchentüchern ausgelegt auf dem Gestell platzieren, Aussaaterde einfüllen, Deckel zu, Herdplatte an. Bei Töpfen mit °C – Anzeige ist die Temperatur leicht zu ermitteln und zu halten. Bei Töpfen ohne diese Anzeige wird so lange stark erhitzt, bis der Druckanzeige-Stift ganz heraus ragt. Die Temperatur kann dann unter Beobachtung etwas herunter geregelt werden. Sobald der Druck merklich nachlässt, Temperatur nochmal kurzzeitig erhöhen. Nach 1,5 Std. (oder eher, falls das Wasser früher verdampft sein sollte) Herdplatte ausstellen. Topf geschlossen abkühlen lassen, Substrat sofort nach Abkühlen verwenden

Hinweis:

  • Eine „echte“  Sterilisation im DDK ist relativ aufwendig und unter häuslichen Bedingungen nie vollständig gewährleistet. In ungereinigter Umgebungsluft befinden sich tausende von Keimen, Sporen usw. Sobald die sterilisierte Erde mit dieser Luft in Berührung kommt, fängt sie sich diese Keime unweigerlich ein. Die Anzahl von Keimen in der Erde ist zwar stark reduziert, aber wer keine Laborumgebung (z.B. Raumliftreinigung durch HEPA-Filter) zu bieten hat, wird das Substrat nach dem Sterilisieren einer erneuten Besiedelung von Sporen und Keimen preisgeben. Dies geschieht alleine durch den Kontakt mit der Umgebungsluft.
    Zu bedenken ist außerdem: viele Pilzsporen sitzen auch direkt auf der Samenschale des Saatgutes.
  • Viel Arbeit – wenig Nutzen!

Falls ein Pilz in der Saatschale auftaucht siehe: Kapitel Kakteen-Schädlinge erfolgreich bekämpfen