Bewurzelungsversuche und Resultate

Der erste Versuch entstand hauptsächlich aus den vielen Kundenanfragen die mir zum Thema zugesendet wurden, selbst erfahrene Kollegen haben hier unterschiedliche Ansichten und in Foren gehen die Meinungen dann ganz auseinander.. Schaun´ wir mal!

Neubewurzelung_SchnittNeubewurzelung_Eingepflanzt

Trichocereus pachanoi Setzlinge, nach 7 Tagen ist die Schnittfläche geschlossen, Rechts im Bild: Eingetopfte Stecklinge Aquarienkies, Kakteenerde, Vogelsand

Da die ideale Zeit zum Bewurzeln sich zu Ende neigt, habe ich mich kurz entschlossen noch schnell ein Experiment zu starten:
Frage: Welches Substrat ist zum Anwurzeln das Ideale? Wo ist die Wurzelbildung am stärksten?

Versuch mit normaler Kakteenerde, reinem Vogelsand und reinem Aquarienkies.

Hintergrund für die Idee waren die verschiedenen Meinungen meiner Gärtnerkollegen und die unendliche Zahl an Mails, die ich zum Thema bekommen habe.
5 Trichocereus pachanoi Setzlinge wurden gut eine Woche zum Trocknen der Schnittfläche schattig ausgelegt. (für die Vogelsandmethode meiner Erfahrung nach nicht zwingend notwendig, bei Erde auf jeden Fall – aber gleiche Bedingungen für alle)
Ich habe je zwei in Vogelsand, Aquarienkies und einen in handelsübliche Kakteenerde gesetzt. Um die Bewurzelung am Ende des Sommers noch zu gewährleisten, kamen diese ausnahmsweise, dem lauen Restsommer geschuldet – direkt ins Gewächshaus und wurden auch sofort befeuchtet.

Zwischenstand über den Winter: heller, recht kühler Standort, 2 x gegossen, äußerlich wenig Veränderung feststellbar.

Versuchsauswertung: (24.04.2012)

Trichocereus_Neubewurzelung_ExperimentII_350xTrichocereus_Neubewurzelung_ExperimentIV_350x

Trichocereus pachanoi nach dem Bewurzelungsversuch über den Winter. Äußerlich sind nur kleine Veränderungen festzustellen. Gewachsen keiner der fünf Kakteen, was über die Wintermonate nicht verwunderlich ist, allerdings wirken die in Aquarienkies bewurzelten Kakteen eher etwas schmächtiger als vor dem Eintopfen. Der in Kakteenerde bewurzelte Kaktus ist gleich geblieben, der in größere, in Vogelsand bewurzelte San Pedro ist im direkten Vergleich massiger geworden.

Ausgetopft ist allerdings ein erheblicher Unterschied der Wurzelbildung feststellbar (Die Trichocereus pachanoi wurden „trocken“ ausgetopft und bestmöglich vom Substrat – ohne soweit zu gehen, die Wurzel zu beschädigen, mit Finger und hartem Pinsel gereinigt.)

Trichocereus_Neubewurzelung_Experiment_350x

Bewurzelung in Kakteenerde: eher schwache Wurzelbildung, Rechts im Bild: Bewurzelung in  Aquarienkies: etwas bessere, tiefere Wurzelbildung

Trichocereus_Neubewurzelung_ExperimentIII_445x

Die Bewurzelung im Vogelsand war am erfolgreichsten – beide Kakteen sind voll mit Wasser gesogen und wirken weitaus massiver als die Konkurrenz. Bei dem kleineren der Kakteen (obwohl von Anfang an der Schwächste) tiefe und kräftige Wurzelbildung, kein Vergleich zu dem um einiges größeren, welcher im humushaltigen Kakteensubstrat bewurzelt wurde. Bei dem größeren Kaktus ist die Wurzelbildung so stark und fein verästelt, dass ich die Versuche weitere Anhaftungen von Vogelsand zu entfernen mit Rücksicht auf die Wurzeln nach einigen Versuchen unterließ – es hat sich  ein fest zusammenhängendes Paket aus Substrat und Wurzeln gebildet. Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass der Vogelsand absolut trocken ist und nicht wegen Feuchtigkeit an der Wurzel festpappt!

Zusammenfassung des Versuches „Neubewurzelung von Kakteen“:

Bewurzelung von Kakteen im „normalen“, d.h. humushaltigen Kakteensubstrat geht, allerdings ist es mit Sicherheit gefährlich, wenn die  Schnittstelle vor der Neubewurzelung nicht genügend angetrocknet wurde, da diese Erden von Keimen natürlich nur so wimmeln.

Erfolgsaussichten: Bei Einhaltung einiger Regeln: gut.

Neubewurzelung von Kakteen im Aquarienkies ist ebenfalls möglich, da dieser aber kein Wasser halten kann, schadet  hin und wieder eine Extraportion Wasser wohl eher nicht – Gefahr der Pilzerkrankung dürfte hier eher gering sein.

Erfolgsaussichten: gut.

Die Bewurzelung von Kakteen im Vogelsand ist am erfolgreichsten und sichersten. Vogelsand hält das Wasser recht gut, aber nicht zu lange. Durch die desinfizierende Wirkung sind Keimbildungen sehr unwahrscheinlich (sogar – vgl. Pflegeseite) bei direktem Einsetzen nach dem schneiden mit noch nasser Schnittstelle. Die Kakteen haben leicht an Volumen gewonnen, was nochmals für einen vernünftigen Wasserhaushalt spricht.

Erfolgsaussichten: sehr gut. Für alle die sicher gehen wollen – absolut zu empfehlen.

2 Kommentare
  1. Andi sagte:

    Interessanter Beitrag, falls das nochmal wiederholt wird, hier eine Anregung.
    Durch Anspitzen der Kakteenstümpfe kann die Bildung der kleinen Wurzeln aus den Stacheln unterdrückt und stattdessen die eigentlich gewünschten, direkt aus den zentralen Leitbündeln entstehenden Wurzeln gefördert werden. Diese Wurzeln sind kräftiger, geben besseren Halt und sorgen auch später für ein verbessertes Wachstum.
    Grüße

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.