Der Winter oder das Geheimnis der Blüte

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Kakteenbesitzer ihre Schätze zwar jahrelang auf der Fensterbank pflegen, sie mit bestem Spezialdünger versorgen, regelmäßig abstauben und die Mexiko-Blumenpötte sogar selbst getöpfert haben, aber sie noch nie in voller Blüte bestaunen konnten. Viele Leute wissen gar nicht, dass ihre Kakteen überhaupt blühen können. Schade, man bringt sich dadurch um eine Belohnung für seine Bemühungen und um die Chance, die Prachtexemplare durch Samen zu vermehren. Man muss sich allerdings einige Zeit von ihnen trennen…

  • Eine besonders kräftige Blühphase mit vielen Blüten erhalte ich, wenn ich meine Kakteen von etwa Mitte Oktober bis Anfang März an einen mäßig hellen Winterstandort räume und dort möglichst ohne einen Tropfen Wasser bei 8-15°C überwintere.

a) Ort/Licht: Der perfekte Winterstandort ist bei mir der Wintergarten. Dort stehen sie in einer Ecke mit wenig Licht, verursacht durch milchige Scheiben. Wenig Licht am Winterstandort ist für die spätere Blütenbildung direkt förderlich. Nach einer lichtarmen Zeit in der Winterruhe gibt vor allem die deutlich ansteigende Lichtintensität und Beleuchtungsdauer des Frühjahres das deutliche Startsignal zur Blütenbildung. Gute Orte sind ungeheizte Hausflure und Treppenhäuser, kühle Vorratsräume mit Fenster, helle Keller und Dachböden mit Fenster.

b) Temperatur: Eine Temperatur zwischen 8-15 °C ist am Winterstandort perfekt. So überwintert wird der Peyote im Sommer zuverlässig eine Blüte nach der anderen bilden. Höhere Temperaturen werden dem Kaktus wegen dem zur Blütenbildung wichtigen Wasserentzug zu sehr zusetzen. Wer schon einmal versucht hat einen Peyote in der warmen Wohnung zu „überwintern“, kennt das Resultat – spätestens Anfang Januar sieht der Peyote erbärmlich aus und ist annähernd verdurstet.
Wichtig ist folgendes zu wissen: Die Blüten bilden sich nicht trotz der niedrigen Temperatur, schlechter Beleuchtung und dem Wasserentzug, sondern genau deswegen!

c)Feuchtigkeit: Das letzte Mal gieße ich am Tag vor der Winterruhe – je nach Witterung etwa Mitte Oktober. Der Kies, der das Substrat abdecken sollte und die niedrige Temperatur halten die Feuchtigkeit noch recht lange in der Erde. Langsam trocknet die Erde dann ganz aus und der Kaktus verliert leicht an Volumen. Er zieht sich sozusagen nach innen zurück, um die Blüten für das Frühjahr anzulegen. Falls ich den Eindruck habe, der Kaktus braucht unbedingt Wasser, gieße ich natürlich auch mal zwischendurch, aber sehr sparsam! Dies sollte maximal 1-2 Mal in der Winterruhe nötig sein. Ist es öfter notwendig, steht der Kaktus zu warm.

d) Ruhe: Selbstverständlich gönne ich den Peyote-Kakteen am Winterstandort so viel Ruhe wie möglich. Sie sollen sich auf die Blüte vorbereiten; ständiger Platzwechsel und wechselnde Lichtverhältnisse sind dafür eher ungeeignet.

Lophophora williamsii zwei Blüten

Alter Lophophora williamsii mit zwei Blüten, eine davon direkt aus der Areole

In die Winterruhe sollten alle Peyotl/Peyote-Kakteen ab einem Alter von 2-3 Jahren. Da vor diesem Alter sowieso keine Blüte entsteht,  ist es besser die ersten Winter in eine Vollwachstumsphase zu verwandeln. Pflanzenlampen und eine leichte Düngung mit geeignetem Dünger machen den Winter zur Sommerzeit! :)

Video mit vielen blühenden Lophophora williamsii (Peyote/Peyotl) – unbedingt reinschauen!