Lophophora pfropfen/veredeln

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Lophophora williamsii auf Trichocereus pachanoi veredelt (gepfropft)

Eine Veredelung (oder Pfropfung genannt) besteht aus zwei Teilen. Der Pfröpfling (auch Edelreis genannt) und die Unterlage. Bei einer Veredelung wird die botanische Art und der Name nicht geändert und richtet sich nach dem Pfröpfling. Ein Lophophora williamsii auf Trichocereus pachanoi bleibt ein Lophophora williamsii. Die Pfropfunterlage wird überhaupt nur dann erwähnt, wenn es einen besonderen Grund hat, oder dies explizit gewünscht wird. Als Unterlage eignen sich vor allem schnellwüchsige Arten, welche nicht zu übertriebener Bildung von Seitentrieben neigen z.B. Trichocereus pachanoi, Tr. peruvianus oder Pereskiopsis. Mit etwas Übung kann auch gut auf andere schnellwüchsige Sorten wie Opuntia und sogar auf die Königin der Nacht, Selenicereus grandiflorus veredelt werden.

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Veredelung von Lophophora williamsii auf Opuntia ficus-indica

Warum werden Lophophora williamsii und andere Kakteen veredelt?

  • Pfropfungen können eine lebensrettende Maßnahme darstellen, z.B. bei Wurzelfäule, schwacher Wurzelbildung
  • Überleben von Variegata-Formen (zu schwache Chlorophyll-Bildung)
  • um das Wachstum von schnellwachsenden auf langsam wachsende Kakteen zu übertragen
  • der Pfröpfling blüht in der Regel schneller
  • aus ästhetischen Gründen (zwei verschiedene Kakteenarten werden miteinander verbunden)

Eine Veredelung des Peyote kann immer dann ausgeführt werden, wenn Unterlage und Edelreis in der Wachstumsphase sind und eine Temperatur von mindestens 18-20 °C herrscht. Also. entweder im Sommer (outdoor/indoor) oder im Winter (indoor) mit Hilfe von Pflanzenlampen.

a) Sämlingspfropfung bei älteren, bereits robusten Sämlingen – Veredeln mit Pfropfröhrchen auf Pereskiopsis spathulata

Wenn kleine, aber schon robustere Lophophora-Sämlinge gepfropft werden sollen, empfiehlt sich die Verwendung von Pfropfröhrchen. Sie bestehen aus einem durchsichtigen Schlauch/Röhrchen und einem zweiten, dünneren Röhrchen (oder Holz, im Bild unten ein Holzdübel), welches leicht hineingeschoben werden kann. Eine an der Stirnseite des Innenröhrchens eingeklebte Polsterung ist notwendig um den Sämling  nicht zu verletzen und hat außerdem eine abdichtende Funktion. Durch die Polsterung  wird die Luftfeuchtigkeit im Schlauch gehalten und es entsteht ein Minigewächshaus um die Stelle der Veredelung herum. Schaumstoff hat sich dafür gut bewährt; er hält die Feuchtigkeit, dichtet ab und gleitet problemlos in das Außenröhrchen hinein und wieder heraus. Ohne erhöhte Luftfeuchtigkeit in der direkten Umgebung würde die Pereskiopsis-Spitze schrumpfen und die Veredelung scheitern.

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Bauanleitung/Beispielbild für ein einfaches, selbstgebautes Pfropfröhrchen

Praxis:

  • Pereskiopsis 2-3 Tage vor der geplanten Veredelung ordentlich gießen -> garantiert eine möglichst feuchte Schnittfläche
  • die ersten Blätter und Dornen unter dem geplanten Schnitt entfernen (ca. 1/2 der Gesamtlänge des Außenröhrchens)
  • Pereskiopsis mit in Alkohol desinfizierter, scharfer Klinge gerade abschneiden -> zügig arbeiten, die Schnittfläche des Pereskiopsis darf nicht antrocknen! Schnitt (wenn möglich) im neuen, diesjährigen Trieb von Vorteil.
  • Peyotl-Keimling schneiden und versetzt auf den Pereskiopsis aufsetzen, so dass die Leitbündel sich treffen. (Leitbündel des Pereskiopsis außen, bei Lophophora in der Mitte!)
  • Außenröhrchen vorsichtig darüber schieben und auf den stehengebliebenen Blättern des Pereskiopsis aufsetzen
  • Innenröhrchen mit Schaumstoffpolsterung einschieben und locker andrücken
  • etwa 7-10 Tage halbschattig stellen
  • nach dieser Zeit wird das Röhrchen entfernt, und der veredelte Kaktus kann an seinen endgültigen Standort gestellt werden

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Keimlingspfropfung Lophophora williamsii (Peyotl) auf Pereskiopsis mit einem Pfropfröhrchen

b) Sämlingspfropfung bei sehr jungen Lophophora-Sämlingen (ab 2-3 Wochen) auf Pereskiopsis spathulata

Die Pfropfung (Veredelung) von gerade erst 2-3 Wochen alten Lophophora williamsii Sämlingen funktioniert -fast- analog der schon etwas älteren Exemplare (siehe oben), nur das natürlich mit viel mehr Fingerspitzengefühl vorgegangen werden muss.

Der Unterschied zu oben beschriebener Methode ist:

  • Pfropfröhrchen können nicht verwendet werden, da sie einen 2-3 Wochen alten Keimling nicht tragen könnte – er würde zerquetscht werden – stattdessen wird eine Plastiktüte oder abgeschnittenen PET-Flasche benötigt.
  • der Lophophora-Sämling wird nicht fixiert – nur sachte auf die Leitbündel aufgesetzt, er muss sich alleine durch die Feuchtigkeit des Pereskiopsis dort festhalten.

Arbeitsschritte:

  • Pereskiopsis 2-3 Tage vor dem geplanten veredeln satt gießen -> garantiert eine möglichst feuchte Schnittfläche
  • aus der aufgegangenen Lophophora-Saat den/die kräftigsten Keimling/e auswählen

Pereskiopsis in eine offene klarsichtige Plastiktüte an einem schattigen Platz stellen. Die Tüte sollte nach der Pfropfung leicht zu verschließen sein und darf nicht an den Lophophora anstoßen. Bewährt haben sich große Ziplock-Tüten. Wenn man vorsichtig ist geht es auch (Stabilität des Materials vorausgesetzt) mit einer oder zwei Büroklammern.
Alternativ: Den Boden einer PET-Flasche zum späteren Überstülpen des Pfropfwerkes abschneiden. Die Flasche muss so groß gewählt werden, dass sie sich nach der Pfropfung möglichst berührungsfrei über den Pereskiopsis samt Topf stülpen lässt.

  • Pereskiopsis im neuen Trieb (mit scharfer Klinge ziehend und mit einem Schnitt) gerade abschneiden -> jetzt zügig arbeiten, der Pereskiopsis darf gerade bei dieser Methode die Feuchtigkeit der Schnittfläche nicht verlieren.
  • die Unterlage in die weit geöffnete Tüte stellen
  • den Peyotl-Keimling so tief wie möglich gerade abschneiden und versetzt (Leitbündel auf Leitbündel) auf den Pereskiopsis aufsetzen.
  • nun vorsichtig die Tüte bis auf eine kleine Öffnung schließen (oder Plastikflasche überstülpen und Deckel nur auflegen). Es muss bei beiden Methoden sowohl Feuchtigkeit als auch Luftaustausch herrschen.
  • nach ca. einer Woche kann die Tüte/Flasche entfernt und der nun veredelte Kaktus an seinen gewohnten Platz gestellt werden.

Bilderserie einer Sämlingspfropfung bei Lophophora-Sämlingen auf Pereskiopsis spathulata im Zip-Lock-Beutel:

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Sämlingspfropfung Lophophora williamsii auf Pereskiopsis (findet Ihr den Lophophora-Sämling im 2. Bild? – er liegt vor der Messerspitze! Der Sämling ist ca. 4-5 Wochen alt.)
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Sämlingsveredelung Lophophora williamsii auf Pereskiopsis – zuerst den geschnittenen Pereskiopsis in die Tüte packen, dann Lophophora aufsetzen. Die Pfropfung außerhalb der Tüte ist nur scheinbar einfacher. Der aufgesetzte Lophophora-Sämling wird abstürzen oder verrutschen wenn das fertige Pfropfwerk in die Tüte gefummelt werden muss. Ziplock-Tüte nur zu 3/4 schließen!
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Die Pfropfung gelingt in aller Regel, wenn: 1. schnell gearbeitet wird (kein Abtrocknen der Schnittflächen),  2. direkt am schattigen Platz gearbeitet wird (erspart anschließendes herumtragen mit Gefahr des Verrutschens) und wenn 3. exakt Leitbündel auf Leitbündel (Pereskiopsis außen, Lophophora mittig) gesetzt wurde – wie in der Großaufnahme deutlich zu sehen.

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Lophophora williamsii mit Blüte auf Pereskiopsis spathulata

c) pfropfen/veredeln größerer Kakteen:

Zum veredeln von großen Lophophora williamsii  braucht man folgende Dinge: die Pfropfunterlage, den Pfröpfling, ein sehr scharfes Messer, wenn möglich ein Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis, Gummibänder oder Streifen von Klarsichtfolie, flache Holzstäbchen.

Zuerst wird die Unterlage vorbereitet. Als sehr gute Unterlage für etwas größere Lophophora-Köpfe eignet sich ein gut bewässerter, saftiger Trichocereus pachanoi (San Pedro). Aber auch andere, schnell wachsende Arten sind geeignet. Zu bevorzugen sind Säulenkakteen, wobei ein befreundeter Kakteengärtner auch sehr gute Ergebnisse mit Opuntien als Pfropfunterlage erzielt. Ich nehme zur Veredelung von großen Lophophora gerne Trichocereus pachanoi und bin bisher immer sehr gut gefahren.

Die Unterlage wird mit einer ggfs. vorher desinfizierten und abgeflammten Klinge glatt, ziehend und wenn möglich in einem Schnitt abgeschnitten. Die Beste Stelle dafür ist der neue Austrieb des aktuellen oder des letzten Jahres. Je älter und holziger das Gewebe ist, desto schwieriger wird das Edelreis anwachsen.

Anschließend werden die Rippen in steilem Winkel über 45° um den Leitbündelring herum zum Rand hin abfallend abgeschrägt. So entsteht in der Mitte eine Erhöhung, in der mittig das Leitbündel frei steht. Das Abkanten der Rippen ist deshalb notwendig, weil ein glatter Schnitt immer zum leichten Absenken der Mitte führt. Ein aufgesetztes Edelreis würde durch Hohlraumbildung den Kontakt also genau an der Stelle verlieren, an dem sich die Leitbündel befinden. Durch das Abkanten der Unterlage sitzt der Pfröpfling zwangsweise immer satt in der Mitte auf.

Nun wird der Lophophora vorbereitet, indem er ebenfalls, sauber und glatt, über der Wurzel oder der schadhaften Stelle abgeschnitten wird. Natürlich kann hier ebenfalls die Klinge vorher mit alkoholischer Desinfektionslösung abgerieben und kurz abgeflammt werden. Nun wird der Lophophora-Pfröpfling genau Leitbündel auf Leitbündel auf die Unterlage gesetzt. Leichtes drehen sorgt für eine saubere Verbindung ohne Lufteinschluss. Mit elastischen Gummibändern oder Klarsichtfolie wird der Pfröpfling vorsichtig, evtl. unter Zuhilfenahme von flachen Holzstäbchen, fixiert. Die Verbindung soll fest sein, aber keine Quetschungen verursachen.

Der veredelte Lophophora braucht nun einen halb schattigen Standort. Ganztägige, volle Sonneneinstrahlung ist in diesem Stadium Stress pur und höchstens 2-3 Stunden am Tag für das Gelingen hilfreich. Förderlich ist auf jeden Fall eine über 5-7 Tage gehaltene, leicht erhöhte Luftfeuchtigkeit. Ich stelle die Kakteen zu diesem Zweck in ein kleines Minigewächshaus mit offenen Klappen, dessen Boden mit etwas feuchtem Blähton ausgelegt ist. Nach ca. 7-10 Tagen können die Gummibänder vorsichtig entfernt werden, die Kakteen sind nun angewachsen und können an den gewohnten Standort zurück gestellt werden.

Wird nach einigen Stunden oder Tagen eine Hohlraumbildung, der Verlust einer satten Verbindung oder gar das Verrutschen des Pfropfreis bemerkt, muss das Pfropfwerk noch einmal auseinandergenommen, die Unterlage und der Pfröpfling nachgeschnitten und das ganze erneut verbunden werden. Ansonsten kann die Veredelung nicht mehr gelingen.

Fotoserie einer Veredelung von Lophophora-williamsii auf Trichocereus pachanoi:

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Vorbereitung der Pfropfung – Der erste Schnitt. Er muss möglichst gerade geführt werden… 

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…hier werden die Rippen abgeschrägt.. – ..so sollte der fertig präparierte San Pedro dann aussehen..

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Es folgt ein gerader Schnitt durch den Lophophora-williamsii.. – ..und mit einer leichten Drehung aufgesetzt…

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…vorsichtig angedrückt, so sollte die Pfropfung gelingen! – Fertig gepfropfte Lophophora williamsii auf San Pedro

Nun kommen die Kakteen ins Minigewächshaus, um gespannte Luft zu garantieren

 Einige Wochen nach der erfolgreichen Pfropfung  sieht der Lophophora dann so aus

Beispiel einer Pfropfung mit Hilfe von Klarsichtfolie:

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Frisch gepfropft, die Folie fixiert den Pfröpfling auf der Unterlage. Nach einigen Tagen sind die beiden Kakteen schon verwachsen

Video-Anleitung/Tutorial zur Pfropfung von Lophophora williamsii und Trichocereus pachanoi auf YouTube