Lophophora neu bewurzeln

Neubewurzelung kann manchmal der einzige Weg sein, den geliebten Lophophora bei Schädlingsbefall der Wurzel oder Wurzelfäule zu retten.

Methode 1 Neubewurzelung direkt im Substrat:

  • Die Neubewurzelung direkt im Substrat gelingt am sichersten in der Wachstumsphase im Sommer, im Winter sollte auf Pflanzenlampen zurückgegriffen werden um den Lophophora zur Wurzelbildung anzuregen, sonst ist die Gefahr der Fäulnis zu groß.

Erst füllt man ein sauberes Gefäß mit ca. 5 cm absolut trockenem Vogelsand, Bims oder Perlit (nachfolgend Bewurzelungssubstrat genannt) und glätte die Oberfläche. Dann wird der neu zu bewurzelnde Kaktus (Kopfsteckling) sanft mit der Schnittstelle auf das trockene Bewurzelungssubstrat gesetzt.
In das Substrat kann zur Sicherheit und besseren Wurzelbildung ein Bewurzelungspulver, auch Wurzelaktivator genannt, (z.B. Neudofix WurzelAktivator -> Kakteenshop) in Pulverform eingemischt werden – etwa 4g pro Liter Vogelsand/Perlit sind ausreichend. Bewurzelungspulver wirkt durch die Anregung der Zellteilung und erzeugt damit eine schnellere, kräftigere Wurzelbildung.

Nach dem Aufsetzen schütte ich oft noch etwas Bewurzelungssubstrat an, so dass der Kaktus satt, nicht ganz zur Hälfte im Substrat eingebettet liegt. Nun stellt man den Kaktus an einen halbschattigen Platz und gönnt ihm mindestens zwei Wochen Ruhe ohne zu befeuchten. In dieser Zeit bildet der Kopf eine Haut über der Schnittwunde und bildet idealerweise schon kleine Wurzeltriebe in das Substrat hinein.

Nach gut zwei Wochen befeuchte ich das erste Mal. Am besten durch nicht zu kräftiges nebeln mit einer Sprühflasche. Zur Sicherheit kann dem Sprühwasser Schachtelhalmextrakt  beigemengt werden. Das erste Besprühen sollte, wie die folgenden Male immer bei gutem Wetter geschehen. Fehlendes Sonnenlicht bei gleichzeitig starker Feuchte fördert Fäulnisprozesse.

In den Folgewochen kann stärker befeuchtet werden. Das Substrat kann jetzt auch komplett durchfeuchtet werden, und der Standort kann wieder ins vollsonnige verlagert werden.
Etwa ab der 5-6 Woche kann man den neu bewurzelten Kaktus vorsichtig aus dem trockenen Substrat nehmen und in frische, trockene und mineralische Erde umsetzen. Wie immer beim Umtopfen bitte vorsichtshalber gut 10 Tage vor dem ersten gießen warten.

Methode 2 Neubewurzelung an der Luft:

Lophophora kann, wie alle anderen Kakteen, auch ohne Erde Wurzeln ausbilden. Dies ist die sicherste Methode, da ein bereits bewurzelter Kaktus vor Fäulnisprozessen besser geschützt ist.

Die Vorgehensweise ist denkbar einfach: Nach dem Schnitt legen Sie den Kaktus solange an einen halbschattigen bis schattigen Ort, bis sich eine Haut über der Schnittstelle gebildet hat. Dann wird der Kaktuskopf aufrecht, wie er später in das Substrat kommt, auf ein grobes Sieb, Gitter oder ähnliches gestellt. Das hat den Hintergrund, dass die Wurzelbildung der Schwerkraft folgt. Ein liegender Lophophora würde auf der nach unten weisenden Seite Wurzeln bilden, was natürlich nicht gewünscht ist. Nach einigen Wochen ist die Wurzelbildung deutlich zu sehen, die kleinen Wurzelsprosse sprießen durch die Maschen des Gitters.  Der Kaktus kann dann  in trockenes Substrat eingesetzt und nach ca. 1 Woche normal gewässert werden. Vor dem Umsetzen können auch bei dieser Methode die vorbereiteten Pflanzlöcher für den neu bewurzelten Lophophora williamsii mit einem wurzelfördernden Mittel (z.B. ein Wurzel-Aktivator) leicht bestreut werden um ein schnelles, tiefes Einwachsen der Wurzeln in das Substrat zu unterstützen.

Bei beiden Methoden scheint das Wachstum nach meiner Erfahrung einige Zeit zu stagnieren. Das ist normal weil der Lophophora nach der Neubewurzelung vorrangig mit der weiteren Ausbildung seiner Wurzel beschäftigt ist.

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Lophophora williamsii Neubewurzelung in Perlit

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Lophophora williamsii Neubewurzelung in Vogelsand

Lophophora williamsii, neu bewurzelt in Perlit und Vogelsand – Neubewurzelung Lophophora williamsii, Wurzelbildung nach ca. 3 Monaten
Diese Lophophora wurde sofort nach dem Abschneiden, also ohne antrocknen der Schnittfläche in Perlit/Vogelsand zur Neubewurzelung gesetzt

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Bild eines neubewurzelten Trichocereus pachanoi nach 3 Wochen

Info zum Bild: Zur Neubewurzelung von San Pedro Kaktus und Säulen-Kakteen im Allgemeinen werden immer die Rippen nach innen hin konisch abgeschrägt (siehe auch Veredelung). Dies bewirkt. dass die Wurzeln direkt aus dem Leitbündel heraus wachsen und nicht, wie im Bild zu sehen, aus dem umgebenden Gewebe. Den hier abgebildeten Trichocereus hatte ich nach einem Schnitt zur Veredelung von Lophophora achtlos in einen alten Blumentopf gelegt und dort vergessen – er bewurzelte trotzdem!

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Lophophora-williamsii-Köpfchen im Vogelsand zur Neubewurzelung – Frisch bewurzelte Pereskiopsis spathulata Stecklinge nach ca. 6 Wochen

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Sehr gute Ergebnisse bei der Stecklingsbewurzelung von Pereskiopsis spathulata und Trichocereus pachanoi bringen reines Perlit und Wurzelaktivator
Außergewöhnlich gute Resultate bei der Neubewurzelung von Lophophora sowie der Stecklingsbewurzelung von nahezu allen anderen Kakteen- und vielen Pflanzenarten wird auch mit reinem Perlit sowie Bims und einem Bewurzelungspulver erzielt. Im Bild oben ist das verblüffende Ergebnis einer Stecklingsbewurzelung nach gerade mal 4 Wochen -Zeitraum: Anfang Juli bis Anfang August 2013-  zu sehen. Dieser fest verwachsene Wurzelballen aus Trichocereus pachanoi und Pereskiopsis spathulata konnte nur noch durch grobes zerreißen getrennt werden und fühlte sich dabei eher nach einem festen Filzstoff als nach zartem Wurzelwerk an. Verantwortlich für diese außergewöhnliche Wurzelbildung ist neben dem Wurzelaktivator vor allem die sehr luftige Konsistenz von Perlit und dem vulkanischen Bimsgestein.

Ein luftiges Bewurzelungssubstrat, die richtige Jahreszeit März-September (oder Pflanzenlampen) und ggfs. ein guter Wurzelaktivator garantieren den Erfolg der Neubewurzelung.